Hochschullastenausgleich
Eine faire Sache
Zentrales Argument gegen die Einführung von Studiengebühren: sie lösen die wirklichen Probleme der Hochschulfinanzierung nicht. In der generellen Unterfinanzierung der Hochschulen, der unfairen Lastenverteilung zwischen den Bundesländern und der nicht vorhandenen Anreize zur Steigerung der Studierendenzahlen und zur Anhebung der Qualität des Studiums liegen die eigentlichen Probleme.
Eine der wesentlichen Ursachen dafür liegt in der Länderkompetenz für die Hochschulen. Die derzeitige Situation führt dazu, dass Länder nur wenig Interesse daran haben können, Studienplatzkapazitäten auszubauen. Stattdessen stecken Länder wie Baden-Württemberg ihre Mittel eher in die Forschung statt in Studienplätze. Demgegenüber sind Länder wie Berlin gezwungen, hohe Überkapazitäten abzubauen. Ein Wettlauf nach unten, der seit Jahren anhält.
Der Hochschullastenausgleich setzt hier an. Nach dem Vorbild der Schweiz, in der seit 1997 das neue Modell der Studienplatzfinanzierung erfolgreich praktiziert wird, kombiniert er folgende Punkte:
1. die realen fächerspezifischen Finanzierungskosten von Studienplätzen werden an die tatsächliche Inanspruchnahme dieser Plätze durch Studierende gekoppelt,
2. für die staatlichen Finanzierungskosten des Studiums kommt nicht mehr das Land auf, das Studienplätze zur Verfügung stellt, sondern das Land, aus dem die Studienberechtigten kommen, und
3. für die staatlichen Finanzierungskosten des Studiums ausländischer Studierender kommt der Bund auf.
Dieses von verschiedenen Seiten auf Deutschland übertragene Modell bekommt durch die prognostizierte Steigerung der Studierendenzahlen neue Brisanz. Kommt es in den Verhandlungen zu einem Hochschulpakt zum Durchbruch des Modells, wären die Weichen richtig gestellt. Würde es praktiziert, bekämen die Hochschulen in Sachsen neuen Schub. Bis zu 90 Millionen € zusätzlich würde Sachsen nach dem Stand der heutigen Studierendenzahl bekommen. Angesichts zurückgehender Abiturientenzahlen in Sachsen bekämen die sächsischen Hochschulen die Chance, auch über 2010 hinaus Studienplatzkapazitäten zu halten oder zu erhöhen.
Materialien
Grüner Antrag für einen Hochschullastenausgleich
Rede von Dr. Karl-Heinz Gerstenberg zum Hochschullastenausgleich
Konzept zur Neuordnung der Hochschulfinanzierung in Deutschland
Interkantonale Universitätsvereinbarung in der Schweiz
Empfehlungen des Wissenschaftsrates zum arbeitsmarkt- und demographiegerechten Ausbau des Hochschulsystems, Januar 2006
Konzept von Rheinland-Pfalz und Sachsen vom März 2006
Empfehlungen der Heinrich-Böll-Stiftung zur Hochschulfinanzierung


