Studiengebühren im Vergleich
Gebühren oder Beiträge von Studierenden für das Studium im Hochschulbereich werden in der Regel für die Finanzierung des Hochschulangebotes verwendet, decken die Kosten jedoch in der Regel nicht. Als Hörergeld gibt es sie seit Gründung der weltlichen Universitäten zum Ausgang des Mittelalters (15./16. Jahrhunderts) und in den USA ungebrochen seit Gründung der Universitäten. Eine zweite Welle der Einführung von Studiengebühren erfolgte seit Mitte der 1980er und verstärkt seit Ende der 1990er Jahre im Zuge eines Trends zur generellen Ökonomisierung von Bildung.
Vorgebliche Gründe für Studiengebühren gibt es viele. Sie wurden entweder traditionalistisch als klassische Form der Studienfinanzierung nie in Frage gestellt oder in einer fiskalischen Argumentation mit der Krise der öffentlichen Haushalte bei gleichzeitiger Notwendigkeit einer besseren Hochschulbildung begründet. Auch disziplinarische Argumente gibt es, nach der die Zahlung von Studiengebühren Studierende zu konzentriertem und schnellem Studieren anhält. Aus ökonomistischer Warte wird argumentiert, dass Studiengebühren Studierende in eine Kunden-Position bringen, mit der sie eine bessere Leistung der Hochschule nachfragen können.
Die Einführung von Studiengebühren in Deutschland ist im Fluss. Während westdeutsche CDU-regierte Bundesländer Studiengebühren eingeführt haben, ist das Erststudium in den ostdeutschen Bundesländer bisher studiengebührenfrei. Währenddessen wurden in Hamburg die direkten in nachgelagerte Studiengebühren umgewandelt. Kürzlich hat Hessen als erstes Bundesland Studiengebühren vollständig abgeschafft.
Für den aktuellen Überblick:
» Wikipedia: Studiengebühren in Deutschland
Jenseits der aktuellen Debatte lohnt der Blick ins Ausland und die verschiedenen Studiengebührenmodelle.
Direkte Studiengebühren
Klassisches Beispiel sind die USA. Die Studiengebühren reichen von 3.000 – 30.000 € im Jahr und machen dennoch nur ca. 20% der Hochschulfinanzierung aus. Während das Fundraising ca. 7-8% der Finanzierung aufbringt wird der Rest (75%) öffentlich finanziert. Die Konsequenzen: die durchschnittliche Verschuldung liegt bei 12.000 $/Jahr und StudentIn.
Weitere Beispiele:
- England: 3.700 €/Jahr – 1997 eingeführt
- Schweiz: je nach Kanton zwischen 350 und 600 €/Semester
- Österreich: 363 €/Semester (seit 2008: Teilerlass für Nachhilfe) – 2001 eingeführt
- Israel: 2000 $/Jahr
- Spanien: 378 Euro/Jahr Kunststudium bis zu 792 Euro/Jahr - Durchschnitt liegt nach Angaben des Bildungsministeriums etwas über 600 Euro/Jahr
- Italien: 170 – 3.000 €/Jahr, orts- und einkommensabhängig
- Niederlande: 1.500 €/Jahr (Grundförderung von 270 €/Monat) – 1986 eingeführt
- Japan: 3.900 €/Jahr
- Baltische Länder: 3.000 – 5.500 €/Jahr – 1991 eingeführt
- Belgien: max. 730 €/Jahr – 1993 eingeführt
Nachgelagerte Studiengebühren
Das Prinzip der nachgelagerten Studiengebühren besteht darin, dass Studiengebühren nicht sofort, sondern (über die Zwischenfinanzierung eines zinslosen staatlichen Kredits) nach dem Studium erhoben werden. Die Rückzahlung erfolgt in der Regel einkommensabhängig (ab einer gewissen Einkommensgrenze). Paradebeispiel ist Australien: nach dem Higher Education Contribution Scheme werden 2.500 – 4.000 €/Jahr für das Studium verlangt. Seit 2004 erfolgt eine Differenzierung nach mutmaßlichem Einkommen. Das Problem: die Rückzahlungen decken nicht die gewährten Kredite.
Auch Schottland verfolgte dieses Modell bis 2007 - hier wurden ca. 2700 € für das gesamte Studium verlangt.
Nachahmer in Deutschland ist seit neuestem Hamburg (ab WS 2008): hier werden nachgelagert 375,00 €/Semester verlangt. Die Rückzahlung erfolgt ab 30.000 € Bruttoeinkommen/jährlich.
Teilerhobene Studiengebühren
Sie werden für bestimmte Studiengänge oder für zu bestimmten Bedingungen erhoben. So werden in Dänemark bis zu 25.000 € für ein MBA (Master of Business Administration) verlangt. Auch in Deutschland sind teilerhobene Studiengebühren längst Realität. In einzelnen Bundesländern werden Studiengebühren für Langzeitstudenten oder wie in Sachsen für weiterbildende Studiengänge (bis zu 3.000 €/Jahr) verlangt.
Versteckte Studiengebühren
Versteckte Studiengebühren werden vor allem als Verwaltungsgebühren bezeichnet. In Frankreich wird so eine Verwaltungsgebühr erhoben, die auch Abgaben in einen Sozialfonds umfasst. Für den ersten Studienabschluß, der in der Regel nach zwei bis drei Jahren erfolgt, müssen 150 Euro jährlich bezahlt werden, dies entspricht etwa dem Semesterbeitrag an deutschen Hochschulen.
Weiterführende Abschlüsse wie Master oder Diplom kosten 190 Euro, ein Ingenieurs-Diplom mit 450 Euro deutlich mehr.
Weiteres Beispiel ist Polen mit ca. 300 €/Semester.
Studiengebühren für ausländische Studierende
In einigen Ländern werden Studiengebühren speziell für ausländische erhoben oder erhöht. So verlangenen Hochschulen in der Schweiz Gebühren von 70 – 1300 €/Semester. Österreich verlangt den doppelten Studiengebührensatz für nicht EU-Ausländer: 726,72 €.
Länder ohne Studiengebühren
Dem vermeintlichen Trend zum trotz gibt es auch Länder, die nie Studiengebühren eingeführt haben, vor allem in Skandinavien, also Schweden, Norwegen, Finnland und de facto auch Dänemark. Die positive Folge: diese Länder haben höchste Studienbeteiligungen von ca. 70% eines Jahrgangs. Diese Länder zeichnen sich durch deutlich höhere Investitionen in Bildung aus: ca. 4% des BIP werden für Hochschulbildung ausgegeben (2,3 % in Deutschland). Weitere Länder ohne Studiengebühren: Malta, Slowenien, Tschechien, Norwegen, Griechenland.
Darüber hinaus gibt es Länder, die Studiengebühren abgeschafft haben. So hat Irland seine Gebühren 1996/97 abgeschafft. In der Folge stieg die Studienabschlussquote von 30 auf ca. 50%. Auch in Schottland wurden die Studiengebühren im Jahr 2007 komplett abgeschafft. Jüngstes Beispiel: Ungarn. Durch Volksabstimmung wurden die erst 2007 eingeführten Gebühren seit 1. April 2008 wieder abgeschafft.
Die internationale Entwicklung zu Studiengebühren ist in Bewegung. Dementsprechend sind alle Angaben ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Gültigkeit. Aktuelle Informationen und weiterführende Links sind zu finden auf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Studiengebühr


