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Praktika, Jobs und Stellen an der Uni müssen fair statt prekär sein.

Trotz vieler Diskussion während der letzten Jahre sind Standards für faire Praktika längst keine Selbstverständlichkeit. Auch an den Hochschulen sind die begehrten Hilfskraftjobs längst Teil des wissenschaftlichen Prekariats. Obwohl schlecht bezahlt und oft unzureichend vertraglich geregelt sind sie ebenso wie Lehrbeauftragte unentbehrlich für den Uni-Alltag. 

Wir wollen mit euch öffentlich machen, welche Bedingungen für ‚Praktis’, ‚Hiwis’ und andere prekär Beschäftigte während und nach dem Studium herrschen. Wie sieht es mit deiner Vergütung aus, unter welchen Arbeitsbedingungen musst Du arbeiten? Wie prekär empfindest Du deine Beschäftigung? Welche Erfahrungen hast Du mit Praktika und Jobs sowie Stellen an der Uni gemacht? Sag es uns!

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Maik Mende, 3. Juni 2009:
Hallo,

@Tobias. Durfte auch feststellen, dass Praktika beim sächsischen Wirtschaftsministerium, egal in welchem Umfang und in welcher Form, generell unbezahlt sind. Dabei müssten doch gerade große Behörden mit gutem Beispiel voran gehen und die geleistete Arbeit wenigstens symbolisch vergelten. Das fand ich echt enttäuschend.
Sylvia Wölfel, 7. Mai 2009:
Hallo,
die Ausschreibung der TU Dresden zur Frauenförderung (WHK, 20h, Jahresverträge) widerspricht den hohen Ansprüchen des Landes und der Universität zur Gleichstellung und Förderung von Frauen im Wissenschaftsbetrieb. Als Promotionsstudentin mit Kind kann ich dieses Einkommen nur als zusätzliche Verbesserung des Familieneinkommens betrachten, das keinerlei langfristige Perspektive bietet. Lehrveranstaltungen sind zwar ausdrücklich nicht im Vertrag aufgeführt, aber freiwillig wird natürlich Eine pro Semester angeboten. Es geht ja um die Zukunft an der Uni und das Sammeln von Lehrerfahrung - Bezahlung ausgeschlossen. Eine ernst gemeinte Frauenförderung sollte nicht so aussehen. Dann lieber weniger Stellen, die aber auf Basis einer wiss. Mitarbeiter-Stelle mit einem 3-Jahresvertrag.
Andreas Heise, 15. April 2009:
Wie kann es funktionieren, dass sich die Zahl der Studenten an der TU Dresden in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt hat, waehrend die Zahl der Mitarbeiter nahezu konstant geblieben ist? Die Antwort darauf konnte ich erleben: Obwohl fuer meine Stelle, die sich ausschliesslich mit Lehre beschaeftigte, eine Tarifstelle beantragt wurde, gab es eben
nur eine WHK-Stelle, die dafuer nun mal nicht gedacht ist. Dass heisst, ich habe Aufgaben uebernommen, die eigentlich angestellte Mitarbeiter erfuellen sollten. Und das mit einer Stelle unter ALGII-Niveau, die eigentlich nur als Sprungbrett zur Vorbereitung einer wissenschaftlichen Karriere gedacht ist. Damit ersetzen prekaer Beschaeftigte regulaere Stellen.
Tobias Peter, 15. April 2009:
Hallo Martin,

sicher hast Du Recht, dass bei großen Unternehmen Praktika in der Regel gut bezahlt werden. Aber wie sieht es anderswo aus? Gerade in kleineren Unternehmen, aber selbst in der öffentlichen Verwaltung werden Praktika oft nicht bezahlt. Mit einer Anfrage an die Landesregierung haben wir herausgefunden, dass gerade mal 10-20 % der Praktika in sächsischen Behörden bezahlt werden, Standards existieren in der Regel nicht. Gerade für Geistes- und Sozialwissenschaftler bleibt oft nicht die Alternative, zwischen bezahlten und unbezahlten Praktika zu wählen. Und keiner sollte doch dafür bestraft werden, dass er nicht zufällig etwas studiert, wo Praktika gut bezahlt werden, oder?

Schöne Grüße
Tobias
'Fair statt prekär', GRÜNE-Fraktion
Michael Chlebusch, 15. April 2009:
Ich arbeite seit etwa vier Jahren als Studentische Hilfskraft mit zwei Stellen an der TU Chemnitz; zum einen in der Professur Germanistische Sprachwissenschaft, zum anderen für die Philosophische Fakultät im Bereich der Pressestelle der TU. Ihrem Aufruf „Sag es uns! Deine prekären Erfahrungen“ mit seiner höchst negativen Konnotation möchte ich entgegenstellen, dass diese Hiwi-Jobs das wohl beste Nebeneinkommen sind, das ich mir als Student vorstellen kann. Einem für die Region durchschnittlichen Gehalt von 7,35 Euro/Stunde stehen entgegen: flexible Arbeitszeiten, ein weitgehend stressfreier Arbeitsalltag, der angenehme Umgang mit Vorgesetzten und Mitarbeitern, Einblicke in die Praxis von Uni und PR sowie jeweils eigene Hilfskraftbüros samt frei nutzbaren Rechnern und Haustelefonanschluss. Gemeinsame Freizeitgestaltungen innerhalb der Arbeitsorte runden das Wohlfühlambiente ab. Stichwort „prekär“: Zwar werden Hilfskraft-Verträge i.d.R. nur für maximal 6 Monate vergeben, doch wurden die Verlängerung stets rechtzeitig mitgeteilt. Die Befristung ist zudem auch im Interesse der Studenten, so konnte ich etwa während der Prüfungszeit meine Arbeit im vergangenen Semester für drei Monate aussetzen.
Martin Hesse, 15. April 2009:
Hallo,

ich habe während meines Studiums drei größere Praktika absolviert. Eines bei einem Think Tank in den USA, eines beim BDI und eines in der Konzernstrategie bei Daimler. Alle drei Praktika waren gut vergütet. Ich habe bei keinem einzigen meiner Praktika auch nur ansatzweise das erfahren, wovon frustrierte Studenten immer berichten. Ich habe nie Kaffee gekochtoder kopiert - ich war immer von Tag eins an in die Arbeitsabläufe eingebunden, hatte immer einen hervorragenden Arbeitsplatz und war wirklich zu keinem Zeitpunkt unzufrieden. Ich glaube, dass Anstrengung und Umgewöhnung zu einem Praktikum dazu gehören. Die veränderten Lebensumstände beherrschen zu lernen, ist doch gerade das Ziel eines Praktikums!

Fazit: Ich habe meine Praktika immer schlau gewählt und hatte nie, wirklich nie Grund, mich zu beklagen.

P.S.: Auch als Hiwi an einem Lehrstuhl der TU Chemnitz habe ich nie Anlass gehabt, unzufrieden zu sein. Ich glaube, es gehört eine Portion Realismus dazu, wenn man das machen will. Den Verdienst an einem Lehrstuhl nur in Euro zu messen, ist doch vollkommen kurzsichtig.

Auch wenn Sie das vielleicht nicht gerne hören: Ich halte diese Debatte nach meinen eigenen Erfahrungen besonders bei großen Unternehmen für eine Scheindebatte. Wer bereit ist, für sechs Monate ein Praktikum ohne Bezahlung einzugehen, ist selbst schuld. Einen Platz zu finden, der bezahlt wird, ist so schwer nicht wenn man was drauf hat.

Beste Grüße

Martin Hesse

Fair statt prekär

Gerechte Standards für Wissenschaftsnachwuchs, Praktikantinnen und Praktikanten

Download:

» Broschüre, PDF, Stand: April 2009

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