Praktika, Jobs und Stellen an der Uni müssen fair statt prekär sein.
Trotz vieler Diskussion während der letzten Jahre sind Standards für faire Praktika längst keine Selbstverständlichkeit. Auch an den Hochschulen sind die begehrten Hilfskraftjobs längst Teil des wissenschaftlichen Prekariats. Obwohl schlecht bezahlt und oft unzureichend vertraglich geregelt sind sie ebenso wie Lehrbeauftragte unentbehrlich für den Uni-Alltag.
Wir wollen mit euch öffentlich machen, welche Bedingungen für ‚Praktis’, ‚Hiwis’ und andere prekär Beschäftigte während und nach dem Studium herrschen. Wie sieht es mit deiner Vergütung aus, unter welchen Arbeitsbedingungen musst Du arbeiten? Wie prekär empfindest Du deine Beschäftigung? Welche Erfahrungen hast Du mit Praktika und Jobs sowie Stellen an der Uni gemacht? Sag es uns!
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Fair statt prekär

Gerechte Standards für Wissenschaftsnachwuchs, Praktikantinnen und Praktikanten
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@Tobias. Durfte auch feststellen, dass Praktika beim sächsischen Wirtschaftsministerium, egal in welchem Umfang und in welcher Form, generell unbezahlt sind. Dabei müssten doch gerade große Behörden mit gutem Beispiel voran gehen und die geleistete Arbeit wenigstens symbolisch vergelten. Das fand ich echt enttäuschend.
die Ausschreibung der TU Dresden zur Frauenförderung (WHK, 20h, Jahresverträge) widerspricht den hohen Ansprüchen des Landes und der Universität zur Gleichstellung und Förderung von Frauen im Wissenschaftsbetrieb. Als Promotionsstudentin mit Kind kann ich dieses Einkommen nur als zusätzliche Verbesserung des Familieneinkommens betrachten, das keinerlei langfristige Perspektive bietet. Lehrveranstaltungen sind zwar ausdrücklich nicht im Vertrag aufgeführt, aber freiwillig wird natürlich Eine pro Semester angeboten. Es geht ja um die Zukunft an der Uni und das Sammeln von Lehrerfahrung - Bezahlung ausgeschlossen. Eine ernst gemeinte Frauenförderung sollte nicht so aussehen. Dann lieber weniger Stellen, die aber auf Basis einer wiss. Mitarbeiter-Stelle mit einem 3-Jahresvertrag.
nur eine WHK-Stelle, die dafuer nun mal nicht gedacht ist. Dass heisst, ich habe Aufgaben uebernommen, die eigentlich angestellte Mitarbeiter erfuellen sollten. Und das mit einer Stelle unter ALGII-Niveau, die eigentlich nur als Sprungbrett zur Vorbereitung einer wissenschaftlichen Karriere gedacht ist. Damit ersetzen prekaer Beschaeftigte regulaere Stellen.
sicher hast Du Recht, dass bei großen Unternehmen Praktika in der Regel gut bezahlt werden. Aber wie sieht es anderswo aus? Gerade in kleineren Unternehmen, aber selbst in der öffentlichen Verwaltung werden Praktika oft nicht bezahlt. Mit einer Anfrage an die Landesregierung haben wir herausgefunden, dass gerade mal 10-20 % der Praktika in sächsischen Behörden bezahlt werden, Standards existieren in der Regel nicht. Gerade für Geistes- und Sozialwissenschaftler bleibt oft nicht die Alternative, zwischen bezahlten und unbezahlten Praktika zu wählen. Und keiner sollte doch dafür bestraft werden, dass er nicht zufällig etwas studiert, wo Praktika gut bezahlt werden, oder?
Schöne Grüße
Tobias
'Fair statt prekär', GRÜNE-Fraktion
ich habe während meines Studiums drei größere Praktika absolviert. Eines bei einem Think Tank in den USA, eines beim BDI und eines in der Konzernstrategie bei Daimler. Alle drei Praktika waren gut vergütet. Ich habe bei keinem einzigen meiner Praktika auch nur ansatzweise das erfahren, wovon frustrierte Studenten immer berichten. Ich habe nie Kaffee gekochtoder kopiert - ich war immer von Tag eins an in die Arbeitsabläufe eingebunden, hatte immer einen hervorragenden Arbeitsplatz und war wirklich zu keinem Zeitpunkt unzufrieden. Ich glaube, dass Anstrengung und Umgewöhnung zu einem Praktikum dazu gehören. Die veränderten Lebensumstände beherrschen zu lernen, ist doch gerade das Ziel eines Praktikums!
Fazit: Ich habe meine Praktika immer schlau gewählt und hatte nie, wirklich nie Grund, mich zu beklagen.
P.S.: Auch als Hiwi an einem Lehrstuhl der TU Chemnitz habe ich nie Anlass gehabt, unzufrieden zu sein. Ich glaube, es gehört eine Portion Realismus dazu, wenn man das machen will. Den Verdienst an einem Lehrstuhl nur in Euro zu messen, ist doch vollkommen kurzsichtig.
Auch wenn Sie das vielleicht nicht gerne hören: Ich halte diese Debatte nach meinen eigenen Erfahrungen besonders bei großen Unternehmen für eine Scheindebatte. Wer bereit ist, für sechs Monate ein Praktikum ohne Bezahlung einzugehen, ist selbst schuld. Einen Platz zu finden, der bezahlt wird, ist so schwer nicht wenn man was drauf hat.
Beste Grüße
Martin Hesse