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Fachleute empfehlen: ErzieherInnenbildung an die Hochschulen
Anhörung im Landtag bestätigt grüne Positionen

Dem GRÜNEN-Antrag "Hochschulische Aus- und Fortbildung von Erzieherinnen und Erziehern" zufolge sollen mindestens der Bachelor-Abschluss für Erzieherinnen und Erzieher und der Masterabschluss für Leitungsebene und Fachberatung schrittweise als verbindliche Abschlüsse eingeführt werden. Dabei sollen insbesondere bisherige Erzieherinnen im Rahmen eines weiterbildenden Studiums einbezogen werden.
In der Anhörung des Sozialausschusses war dem ambitionierten Vorhaben entsprechend Sachverständige aus allen Bereichen geladen. Und sie mahnten einhellig konsequentere Schritte zur Hochschulbildung im Kita-Bereich an. Der bundesweit anerkannte Frühpädagogik-Experte Prof. Fthenakis begründete die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen ErzieherInnenbildung mit den gestiegenen frühpädagogischen Anforderungen in der Kita und stellte fest, dass sich Deutschland das niedrigste Ausbildungsniveau im Vorschulbereich leiste. Die auf den Weg gebrachten Bildungspläne, die die Trennung von Bildung, Erziehung und Betreuung aufheben, seien nur auf einem wissenschaftlich fundierten Ausbildungsniveau umzusetzen. Er regte an, die institutionellen Barrieren zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen mit einer gemeinsamen Ausbildung von ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen zu überwinden und bekam für diesen Vorschlag die breite Unterstützung der vertretenen Sachverständigen. Ob diese gemeinsamen Studiengänge bis zu den Lebensaltern von zehn oder zwölf Jahren gelten sollten, wurde dabei offen gelassen.

Barbara Schmitt-Wenkebach vom GEW-Vorstand in Berlin wies auf die grundsätzlichen Defizite in der Fachschulausbildung hin, die nicht nur von der Wissenschaft, sondern von Kolleginnen und Kollegen in den Einrichtungen selbst festgestellt würden. Um eigenständig und reflektiert Bildungsprozesse anstoßen, begleiten und dokumentieren zu können, sei eine wissenschaftliche Ausbildung unerlässlich. Entscheidende Voraussetzung sei jedoch, nicht nur die Ausbildung, sondern darüber hinaus die Weiterbildung der schon beschäftigten Erzieherinnen und Erzieher in die Hochschulen zu integrieren. Eine Hochschulaus- und -weiterbildung, die die schon beschäftigten Kollegen einbindet, würde so nicht nur den Bildungsaspekt stärken, sondern auch zu einem insgesamt größeren Selbstvertrauen der Kolleginnen gegenüber den Verantwortlichen und Eltern führen.

Dr. Karsten König vom Hochschulforschungsinstitut Wittenberg stellte klar, dass eine Akademisierung zu vertretbaren Trägerkosten zu realisieren sei und mahnte einen schrittweisen Übergang zur Hochschulbildung an. Aufgrund der schon jetzt bestehenden Engpässe bei Frühpädagogik-Dozenten müsse insbesondere auf die Ausbildung wissenschaftlichen Personals geachtet werden. Nur in dem Maße, in dem lehrende Personal vorhanden sei, könnten Studienplatzkapazitäten ausgebaut werden. Die Einbindung und weitere wissenschaftliche Professionalisierung der Fachschulen sei deshalb kurz- bis mittelfristig unabdingbar. Eine vollständige Aus- und Weiterbildung an den Hochschulen könnte einen Zeitraum von bis zu 25 Jahren in Anspruch nehmen.

Dass bereits Studiengänge und Konzepte an den sächsischen Hochschulen vorhanden seien, stellten indes die Vertreter der Hochschulen klar. Prof. Norbert Störmer von der FH Görlitz/Zittau und Prof. Ralf Evers, Rektor der Evangelischen Hochschule für soziale Arbeit in Dresden erläuterten dabei ihre Ideen wie aktuelle Probleme. So habe die EHS schon einen weiterbildenden Studiengang für Elementar- und Hortpädagogik eingereichtet und ein Institut für Frühpädagogik eingerichtet. Dafür wurde die EHS von der Robert-Bosch-Stiftung als innovativster Studiengang ausgezeichnet und gefördert. Die vorhandenen Strukturen seien jedoch durch drohende Kürzungen des Freistaates ab nächstem Jahr nicht aufrechtzuerhalten. Prof. Störmer aus Görlitz bestätigte, dass im Rahmen der bis 2010 geltenden Hochschulvereinbarung der Aufbau zusätzlicher Studiengänge kaum zu realisieren sei.

Nach zwei kleinen Schritten voran droht nun also ein großer Schritt zurück – so das Fazit der Anhörung. Angesichts der anstehenden Haushaltsberatungen für Sozial- und Bildungspolitiker eigentlich eine Steilvorlage. Elke Herrmann, sozialpolitische Sprecherin der GRÜNEN-Fraktion hat denn auch ein Landesprogramm für ErzieherInnenbildung vorgeschlagen, mit dem zusätzlich zu den in der Hochschulvereinbarung vorgesehenen Ressourcen eigene Mittel für den Aufbau von Studiengängen und Forschungseinrichtungen eingesetzt werden sollen. Mit der schrittweisen Aufstockung eines solchen Landesprogramms könne dann mittel- bis langfristig eine verbindliche Hochschulbildung für alle ErzieherInnen realisiert werden. Die Vertreter der Koalition zeigen sich zurückhaltend zu diesem Vorschlag. Auch der Haushaltsentwurf weist keine entsprechenden Mittel auf. Es könnte ein heißer Herbst für die Zukunft der ErzieherInnenbildung werden.

 

(Zusammenfassung auf Grundlage eines Artikels der GEW-Mitgliederzeitung "Erziehung und Wissenschaft", geplante Veröffentlichung in der Oktoberausgabe)

 

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