6. Februar 2006, Leipzig
"Quo vadis Hochschulautonomie? - Hochschulreform zwischen Gruppenhochschule und Managementuniversität"
Die Hochschulreform per Gesetz ist mittlerweile eine gängige Erfahrung an deutschen Hochschulen. Seit einigen Jahren strukturieren die verschiedenen Bundesländer mehr oder weniger gründlich Aufsicht, Gremienstruktur und Finanzbeziehungen der Hochschulen um. Ziel der Bemühungen ist die allseits geforderte Autonomie der Hochschulen. Der breite Konsens in diesem Ziel verdeckt jedoch schnell das erhebliche Konfliktpotential in der konkreten Umsetzung.
Während die Instrumente der Zielvereinbarungen und Globalhaushalte bis auf Details weitgehend unumstritten sind, geraten vor allem die Hochschulstrukturen in den Blick des Interesses. So sieht sich die gesetzlich verankerte Mitbestimmung in Form der Gruppenhochschule seit geraumer Zeit des Vorwurfs der Ineffizienz ausgesetzt und werden im gleichen Atemzug unternehmensähnliche Strukturen im Sinne der Managementuniversität gefordert. In der Praxis bisheriger Reformen geht die stärkere hochschulische Autonomie dem Argument entsprechend mit einer allzu deutlichen Stärkung der Hochschulleitungen und einem Abbau der Mitwirkungsrechte einher. Die Erfahrung der ersten Jahre zeigt, dass eine einseitige Stärkung der Hochschulleitungen Entscheidungsprozesse durchaus beschleunigt, aber auch Fehlentscheidungen und inneruniversitäre Konflikte provoziert. Die erhofften Wege zur Freiheit sind steiniger als gedacht, erste Korrekturen der gesetzlichen Regelungen stehen an.
In Bezug auf die Erfahrungen von Hochschulen anderer Bundesländer stehen positive und negative Erfahrungen mit der gewachsenen Hochschulautonomie zur Debatte. Welche Vor- und Nachteile bringen präsidiale Leitungsstrukturen? Bleibt mir der Beschneidung von Mitbestimmungsrechten zusehends auch die Qualitäts- und Profildiskussion in der Hochschule auf der Strecke? Wie verbindlich sind neue Steuerungsinstrumente wie Zielvereinbarungen?
Für Sachsen bringen die Erfahrungen anderer Länder und ihrer Hochschulen die Chance, in der anstehenden Novellierung des Hochschulgesetzes Fehler zu vermeiden und neue Wege zu beschreiten. Generell gefragt: Wie können Autonomiesteigerung, Beteiligung und größere Effektivität in Form besserer Lehre und Forschung miteinander verbunden werden? Muss die Gruppenhochschule abgeschafft oder weiterentwickelt werden? Leiden Hochschulen mit unternehmensähnlichen Strukturen nur an Kinderkrankheiten oder sind sie grundsätzlich der falsche Weg?
Es diskutierten Dr. Peer Pasternack (Forschungsdirektor Hochschulforschungsinstitut Halle-Wittenberg), Robert Biskop (Sprecher der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften), Dr. Friedhelm Nonne (Kanzler der Universität Marburg), Prof. Dr. Günther Buchholz (FB Betriebswirtschaft an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim) und Dr. Karl-Heinz Gerstenberg (Hochschulpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag).


